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Wer Plastik nutzt, entscheidet nicht darüber, wer die Folgen trägt.

Plastik ist ein globales Produkt mit sehr ungleich verteilten Folgen. Der Nutzen liegt überwiegend dort, wo viel produziert und konsumiert wird. Die Belastung tragen häufig Küstenregionen, die an dieser Produktion kaum beteiligt sind. Diese Seite erklärt, wie das zusammenhängt, und was wir daraus für unsere eigene Arbeit ableiten.

rund 9 %

Anteil des weltweit je produzierten Kunststoffs, der recycelt wurde (OECD 2022)

11

Frauen, die auf Sansibar fest in den SwopShops arbeiten

seit 03/2026

eigene Registrierung unserer Partnerorganisation als lokale NGO

01VerstehenWorum es wirklich geht

Der Nutzen wird verteilt, die Last nicht

Plastik entsteht dort, wo Öl verarbeitet wird, und wird dort verbraucht, wo Kaufkraft ist. Beides konzentriert sich in wohlhabenden Regionen. Die Folgen verteilen sich anders. Wo Sammelsysteme, Deponien und Aufbereitung fehlen, landet Verpackungsmüll in Flüssen, an Küsten und in Wohngebieten. Menschen leben dann mit einem Problem, an dessen Entstehung sie den geringsten Anteil haben.

Auf Sansibar sieht das konkret so aus: Der Müll, den unsere SwopShops einsammeln, stammt ganz überwiegend aus der Insel selbst. Einwegflaschen, Verpackungen, Plastiktüten aus Hotels, Restaurants und Haushalten. Es gibt kaum funktionierende Entsorgung, also bleibt er liegen oder wird verbrannt. Die Ungerechtigkeit liegt nicht darin, dass jemand seinen Müll dorthin schickt. Sie liegt darin, dass ein globales Konsumsystem Verpackungen in jeden Winkel der Welt bringt und die Verantwortung für ihr Ende dort ablädt, wo am wenigsten Mittel dafür da sind.

02EinordnenWer die Folgen trägt

Tourismus macht die Rechnung sichtbar

Der Tourismus bringt Sansibar Einkommen und gleichzeitig große Mengen Einwegplastik. Wasserflaschen, Verpackungen, Servicematerial für Gäste, die für ein bis zwei Wochen bleiben. Die Gäste reisen ab, das Material bleibt. Seit Juli 2025 verpflichtet ein Abfallwirtschaftsprogramm der Regierung Betriebe stärker zur Entsorgung, die Strukturen dafür entstehen aber erst.

Das betrifft uns direkt. Wir fliegen selbst nach Sansibar. Wir sind Teil desselben Reiseverkehrs, dessen Nebenwirkungen wir vor Ort mit aufräumen. Das ist ein Widerspruch, den wir nicht auflösen können, sondern nur offen benennen und so klein wie möglich halten: wenige Reisen im Jahr, längere Aufenthalte, so viel Arbeit wie möglich in lokaler Hand.

Recycling löst das nicht. Weltweit wurde nur ein kleiner Teil des je produzierten Kunststoffs tatsächlich recycelt. Wir arbeiten mit einem lokalen Recyclingpartner, weil das dem gesammelten Material einen Wert gibt und die SwopShops mitträgt. Als Antwort auf die Menge, die jedes Jahr neu entsteht, reicht es nicht. Deshalb ist unser Kernprogramm Bildung.

Für junge Plastikrebell:innen erklärt

Was ist gerecht?

Stell dir vor, in eurer Klasse macht eine Gruppe Chaos und eine andere Gruppe muss immer aufräumen. Das fühlt sich falsch an, oder?

Beim Plastik ist es ein bisschen so. Fast überall auf der Welt wird viel Plastik benutzt. Aber nicht überall gibt es Müllabfuhr, Container und Recyclinghöfe. Da bleibt der Müll dann liegen, auch wenn die Menschen dort selbst gar nicht mehr Plastik benutzen als du.

Kinder auf Sansibar warten damit nicht auf Hilfe. Sie sammeln Plastik und tauschen es im SwopShop gegen Dinge, die sie für die Schule brauchen. Und sie lernen dabei, wie das ganze System funktioniert. Genau das kannst du auch: verstehen, wie es läuft, und dann selbst entscheiden.

Selbstverortung

Wir sind ein deutscher Verein, der auf Sansibar arbeitet

Wer über globale Gerechtigkeit spricht, muss die eigene Konstruktion erklären. Unsere lautet so.

Die Programme auf Sansibar verantwortet die Ocean Kind Zanzibar Organization (OKZO), seit März 2026 als eigenständige lokale NGO registriert, geleitet von Fatma Ali Hemed. OKZO entscheidet vor Ort über Personal, Abläufe und Prioritäten. Elf Frauen aus den Gemeinden arbeiten fest in den SwopShops.

Was wir dabei nicht behaupten: dass diese Zusammenarbeit auf gleicher finanzieller Augenhöhe stattfindet. Der überwiegende Teil der Mittel kommt aus Deutschland, von Stiftungen und Spender:innen. Wer Geld gibt, hat Einfluss, auch wenn er ihn nicht ausübt. Deshalb haben wir das Verhältnis am 19. Juni 2026 schriftlich geregelt: Ozeankind e.V. ist strategischer und finanzieller Partner, OKZO ist umsetzende Organisation mit eigener Entscheidungsbefugnis. Kinderschutz ist vertraglich verankert. Einnahmen, die OKZO lokal erwirtschaftet, bleiben vor Ort und werden auf künftige Mittelanfragen angerechnet.

Erfolg sieht für uns so aus, dass OKZO die SwopShops und die Bildungsarbeit aus lokalen Mitteln trägt und Ozeankind dafür nicht mehr gebraucht wird. Wir messen das an einer Zahl: dem Anteil lokal erwirtschafteter Einnahmen am Gesamtbudget von OKZO. Heute ist er klein. Wir veröffentlichen ihn ab dem Jahresbericht 2026 jährlich.

Stimmen aus den SwopShops

⟦Platzhalter O-Ton⟧

Fatma Ali HemedLeitung OKZO

⟦Platzhalter O-Ton⟧

DianaBildungsarbeit

⟦Platzhalter O-Ton⟧

MitarbeiterinSwopShop Matemwe

Mit wem wir zusammenarbeiten

Wir analysieren Strukturen und stellen keine einzelnen Unternehmen an den Pranger. Gleichzeitig nehmen wir nicht jedes Geld an. Welche Kriterien wir anlegen und welche Kooperationen wir beendet haben, steht offen auf unserer Transparenzseite.

Transparenz und Kooperationskriterien

Quellen
  1. OECD (2022): Global Plastics Outlook. Economic Drivers, Environmental Impacts and Policy Options. oecd.org
  2. UNEP (2023): Turning off the Tap. How the world can end plastic pollution. unep.org
  3. Tearfund (2019): No Time to Waste. Tackling the plastic pollution crisis before it’s too late. learn.tearfund.org
  4. Basel Convention, Plastic Waste Amendments (in Kraft 2021). basel.int
  5. KMK und BMZ: Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung. globaleslernen.de
03HandelnWas du tun kannst

Verstehen ist der Anfang. Der Unterricht ist der Ort.

Diese Zusammenhänge gehören in den Unterricht, nicht in eine Broschüre. Unser Arbeitsheft Plastikrebell bringt sie für Klasse 3 bis 6 in eine Form, mit der Kinder selbst arbeiten können, ohne Schuldgefühle und mit einem konkreten Handlungsteil am Ende.

Augenhöhe braucht Rückhalt

Deine Spende geht in Projekte, über die vor Ort entschieden wird. Sie finanziert Gehälter, Material und Bildungsarbeit in lokaler Hand.